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Ich
Du hättest ja auch mal ein paar Worte sagen können, sagte Hina, eine Freundin, nachdem wir vom Treffen "50 Jahre  nach dem Film-In, 1968 im Filmbüro Brüderstr. 17" nach Hause fuhren.
Nun möchte ich mit diesem Schreiben den versäumten Beitrag zum Film-In, das am 9.10. 2017 in dem kleinen Filmtheater in der Brigittenstraße 5 stattfand, hiermit nachholen.

Als am Hamburger Filmgeschehen involvierter  Photograph, waren ich und Hina  geladene Gäste des Film-Ins, im kleinen Filmtheater auf St.Pauli in der Brigittenstraße 5. Hina
 
Der Anlass war Erinnerung an1968: HellmuthCostard3 Tage, Tag und Nacht "Film-In" im Filmbüro von Werner Grassmann, in der Brüderstraße 17.  In der gesamten Brüderstraße war damals Halligalli. Jung und Alt feierte mit. Sogar aus anderen Städten waren Filminteressierte angereist.

Der erste Film beim Erinnerungs-Film-In war der Klau des olympischen Feuers. Ein Gag, mit dem 1968 die Aufmerksamkeit für die Hamburger Filmtage erregt werden sollte. Ich war damals einer der drei, die einen Teil des  Olympischen Feuers von Grenoble nach Hamburg brachten. Eigentlich sollte ich nur die Fotos machen . GrnobleDa aber der Kameramann sich nicht an den Wachpolizisten vorbei traute, die die Aufstiegstreppe bewachten, übernahm ich dann das Filmen.
Dass ich die Szene, der Siegerkranz mit Schleife auf dem Kopf von Buschi drehte, da habe ich so meine Zweifel.

1968 waren weltweit Künstler unterwegs, um die Welt neu zu organisieren; in München oder San Fransisco, überall tanzte der Bär.Hellmuth Die Hamburger Filmemacher waren in ihrer Art eher Experimentalfilmer. Auf der einen Seite wurde alles nicht so ernst genommen, andererseits war das Interesse am Filmemachen ziemlich speziell. Das Interesse galt eher einem grundlegenden Wandel unseres Daseins, den Experimentalfilmen. Es ging den Filmemachern nicht um Geschichtenerzählkino. Unsere Welt und die filmischen Sehgewohnheiten sollten grundlegend revolutioniert werden.
 

Bevor sich in Hamburg ein Kreis von Filmemachern zusammenschloß,  hatten Hellmuth Costard und ich erste Erfahrungen als Filmer schon gemacht.


Es begann bei einem Treffen in einer Villa in der Sierichstr. bei Karsten Dettmann, in seinem kleinen orientalisch eingerichteten Dachzimmer.
Karsten Dettmann studierte Orientalistik und hatte schon Handelsbeziehungen mit persischen Teppichhändlern.  Er erzähte uns von seinen Eindrücken aus der Welt des Orients.  Wir glaubten, er hätte den Durchblick.
Karsten machte einen Vorschlag, der  zündete. Es entstand die Idee zu einer Reportage über die Kurden in Persien, die fortwährend im Länderdreieck Persien/Türkei/Irak,  um ihre Unabhängigkeit und Freiheit kämpften. Wir beschlossen, dem Fernsehen eine Reportage über den damaligen Kurdenführer Barsani anzubieten. Das Fernsehen zeigte Interesse.
 
Es war so um 1966, der Schah war in Persien noch an der Macht.
Der dicke Mercedes und eine Flagge am Kotflügel machte uns den Hinweg nach Kurdistan problemlos möglich.
Die Straßen in Persien bestanden 1966 in der Regel noch aus sandigen und holperigen  Pisten und egal, ob wir langsam oder schnell fuhren, das Auto von Karsten schüttelte sich auf den Sandpisten immerzu gewaltig und Karsten litt.

Die im Auto versteckte, vom Asta der Universität Hamburg organisierte Ariflex- Kamera, und die in den Seitenteilen versteckten Filmrollen und das Gewehr wurden komischerweise an den Grenzen  nicht entdeckt.
Die Kurden zeigten bei ersten Kontakten Interesse an dem Projekt, und wir wurden in einen Jeep von ihnen in kleine Dörfer geschmuggelt.Iran
Hier war so einiges anders als wir es in der Türkei und dem Iran erlebt hatten. Hier waren die Frauen farbig gekleidet, unverschleiert und gingen mit ihren Männern  ziemlich humorvoll um. 
Mir wurde aber schnell klar, dass das Unternehmen, eine Reportage mit dem Kurdenführer Barsani, für die Kurden sehr gefährlich war. Auch die Iraner waren auf der Suche nach dem Kurden Barsani und bei unserem journalistischen Dilettantismus war  das Projekt, der Kontakt mit dem damaligen Kurdenführer Barsani letztlich nicht realisierbar.
Wir durften dann auch bald mit iranischen Militärs am runden Tisch sitzen; sie machten uns deutlich, dass wir aus Persien  verduften sollten. Wir wurden weiterhin genau beobachtet, wurden jedoch nicht verhaftet.
Unsere Gruppe bestand aus Karsten Dettmann, Operateur, Hans Bühner, der die Kamera machen sollte, Hellmuth Costard, Regie, ich, Egon Teske, sollte die Fotos machen.
Um unser eigentliches Ziel nicht zu gefährden, durften auf der Hinfahrt kaum Fotos gemacht werden
Unser Vorhaben entwickelte sich zum Fiasko. In Teheran war dann Schluss mit lustig.
Karsten und Hans verstanden sich noch, hielten auch weiterhin zusammen.
Hellmuth und ich stiegen aus dem Pfadfindertraum von Karsten Dettmann aus. Hellmuth und ich beschlossen, zu Fuß zurück zu reisen


Kameras und sonstwas fuhr alles mit den beiden im Mercedes zurück nach Deutschland.
Jeder von uns beiden, Hellmuth und ich, bekamen jeder 100 DM, und wir beide tippelten zu Fuß los. Wir machten uns von Teheran in Richtung Deutschland auf den Weg. Im Rucksack hatten wir  nur das Nötigste.
Wenn bei den Iranern und auch bei den Türken geklärt war, dass wir keine Amerikaner sondern Deutsche waren, waren wir fein raus, genossen als Deutsche im Iran und der Türkei großen Respekt. Überall wurden wir gastfreundlich aufgenommen, immer wieder auf Lastwagen ein Stück, am Tage und auch in der Nacht, auf Ladeflächen mitgenommen. Wir wurden in Lokalen beim obligatorischen Chai -Trinken stolz den Gästen als Deutsche vorgestellt.
Hellmuth CostardEinen Schlafplatz fanden wir meist unter freiem Himmel, an Tankstellen oder sonstwo.
Mein Part auf der Reise war, dass ich die immerzu neuen Situationen in der Regel besser einschätzen konnte als der humanistisch gebildete Feingeist Hellmuth.

Als wir dann nach Griechenland kamen, betraten wir eine andere Welt, einen anderen Kulturkreis.
Wir fühlten uns 1966 in Kontakt mit den Wurzeln unserer abendländischen Kultur, mit einer Art zu leben die unser Herz berührte  und an unsere abendländischen Wurzeln erinnerte, Mensch-sein wurde fühlbar. Wir befanden  uns wieder  in einem Land, in dem die Demokratie aus philosophischen Strukturen hervorgegangen war, Leben wurde hier nicht aus eigennützigem Wettbewerbsbestreben angetrieben, wie wir es aus Deutschland kannten.
Dadurch, dass wir mehrere Monate im Iran und in der Türkei verbracht hatten, in einer Kultur und Musik die uns fremd war, empfanden wir alles wohl noch deutlicher.

Mit Hellmuths Sprachenkenntnissen, in Süditalien sogar mit seinem Latein, konnten wir uns immer irgendwie verständigen.
Wir sammelten unterschiedlichste abenteuerliche Eindrücke und interessante Erfahrungen fürs Leben.
Hellmuth und ich betrachteten diese Welt aus sehr unterschiedlichen Perspektiven.
Hellmuth war durch ein hohes Bildungsprogramm gegangen, ich erforschte mein Leben nach Lust und Laune. Gerade diese Unterschiede in den Perspektiven unserer Betrachtungsweise waren es, woraus sich in unseren Gesprächen, auch durch die immer neuen Situationen auf der Reise, immerzu ein neues Begreifen auftat. 
So war die Reise eine Entdeckungsreise in vielerlei Hinsicht.
Als ich mit Hellmuth kurz vor seinem Tod, im Juni 2000 noch mal telefonierte, sagte er, dass diese Reise in ihm immer lebendig geblieben ist.

Hellmuth und ich blieben uns immer verbunden, verstanden unser Dasein in der Tiefe unseres (Er-)Forschens sehr ähnlich, auch wenn wir uns in unseren Interessen auseinanderlebten.
Hellmuth wollte etwas auf die Beine stellen. Mein Interesse galt eher dem Erforschen menschlicher Eigenarten und Ominösitäten, eher den Strukturen unseres zeitlichen Daseins.
IchUm die Verrücktheit menschlicher Genialität bewusst erleben zu können, möchte  ich bei klaren Verstand bleiben, auf Drogen habe ich mich nie recht eingelassen.

Zurück in Hamburg, bildete sich  1967 eine Gruppe kreativer Filmemacher, und auch andere Künstler schlossen sich, in Hamburg, zu Co-ops zusammen. Die Hamburger Filmemacher studierten meist irgendwas. In der Uni ging es hoch her - Proteste: "Unter den Talaren, der Muff aus tausend Jahren". Die Uni wurde zum Hexenkessel, es war auch die Zeit der Blumenkinder, der Hippies.  Durch mein Fotografieren befand ich mich letztlich immer mitten drin.
Für mich war der Film das Ganze, in dem ich als Mitspieler fungierte. Ich ergriff die Gelegenheit mich und den Meschen mit der Kamera zu erforschen.
Hellmuth und ich hatten zusammen ein kleines Atelier mit Oberlicht gemietet.
Dieses Atelier wurde manchmal tagelang nicht genutzt. Als ich eines Tages ins Atelier kam fühlte ich, dass da jemand geschlafen hatte, der da nicht so recht reinpasste.

Ich hatte den Verdacht, dass Hellmuth Holger Meins, der damals von der Staatsmacht schon verfolgt wurde, ohne es mit mir abzusprechen, Unterschlupf gewährt hatte. Hellmuth und Holger Meins waren sich von früher freundschaftlich verbunden. Uni
Spätere Filme von Hellmuth hatten letztlich auch immer politische Brisanz.
Seine Filme wurden in der Filmfachwelt hoch geschätzt und oft besser verstanden als von gemeinen Filmegängern.

Ich selbst verstehe mich als Akteur in einem Theater, in dem ich durch mein Verständnis, nach und nach, in meinem Leben, immer neue Perspektiven, Farben, und zeitliche Strukturen entdecke.

1938 in diese Welt hineingeboren war es für mich von primärer Bedeutung, diese ominöse unverständliche  Welt besser zu verstehen. Ich hatte primär nicht den Ehrgeiz, In der Brüderstr der Welt eigene Kunstwerke  hinzuzufügen.
Das Kunstwerk ist die Welt selbst. Die Formen dieses Kunstwerkes entstehen mit (aus) der Perspektive unseres Bewusstseins, gehen eher daraus hervor, in welcher Weise wir die Rolle unseres Daseins begreifen und damit umgehen.

Etwa 1967 wurde das Filmbüro des freundlichen Herrn Werner Grassmann Treffpunkt forschender  Filmemacher.
Werner Grassmann hatte Know-how und Kontakte zum Establishment. 

Diese Hamburger Filmemacher wollten mehr als nur einfach Filme machen, strebten kein Geschichtenerzählkino aus der Vergangenheit an, sie wollten die Filmwelt revolutionieren.
FilmCoop1968

Joseph Beuys: “Alle Fragen des Menschen können nur Fragen der Gestaltung sein, und das ist der totalisierte Kunstbegriff”.

Es ging um Filme mit einem neuen Verständnis zum Dasein, letztlich  darum, dass wir uns selbst entdecken.
Die Vergangenheit des Filmes, in dem  nur Geschichten erzählt werden, sollte auf den Müll.
Andy Hertel, der mit zwei Metern Größte unter uns, ein kreativer ImpulsMensch,  der Auraseher,  hatte eine Eigenart: waren die originären Impulse verbraucht, so legte er sich so lange schlafen bis er mit einer neuen Idee aufwachte. So eine Idee war  z.B.: Ein Auto fuhr durch die Mönkebergstraße. Hinter dem Auto, an den Händen angebunden, lief der lange Andy Hertel. Er konnte das Tempo gerade noch mithalten. Es bestand jedoch immer die Gefahr, dass er vornüber zu kippen drohte.

Andere Aktivitäten von Andy waren, in Hamburg immer neue kreative Orte und Impulse ins Leben zu rufen.
 Es entstanden Kreativ-Orte CooTou  Toulouse Lautrec Institute für Film und Tanz.  --->  TIDE       Film über Andy YouTub

Bernd Upnmoor studierte in Hamburg Physik. Er drehte einen Film über seine unmittelbare Lage; in diesem Film ging es um die Suche nach einer Partnerin.
Im Film kam deutlich rüber,  in welch hilfloser Situation er sich befand,
jeder konnte es miterleben.

Ein Film bietet uns Möglichkeiten sich selbst in seiner Authentizität zu wagen. Filmen ist ein Abenteuer für Experimentierfreudige.

Bernd hatte dann auch immer die interessantesten und intelligentesten Frauen.
Francois Truffaut sagte in einem Interview einmal, es ginge ihm beim Filmemachen in erster Linie um die Dreharbeiten selbst.

Bernd Upnmoor, Phyiker und Abenteurer, machte  auch bei einer wissenschaftlichen, staatlichen, Erforschung von unterschiedlichen Drogen zur Bewusstseins Erweiterung mit. (Geheimnis- Carlos Castaneda)

Viele der Film-Aktivisten studierten Psychologie,  Hellmuth Costard, Barbara Riek und sicherlich auch Thomas Struck. Was Kurt Rosenthal studierte, der später lange Zeit Filme in Südamerika drehte weiß ich nicht, Grafik vielleicht. Nicht zu vergessen Schorsch,  Georg von Kieseritzky, der in unterschiedlichster Art, in unterschiedlichster Weise immerzu präsent war,  Kamera u.s.w. machte. Schorsch+Iris Berben Er war damals mit Iris Berben liiert.

Barbera Riek, die Aktvistin,  brauchte kein großes Drehbuch, das Drehbuch erschien ihr im Traum:
“Eine Meute von 50 Leuten wanderte über Deinen großen Zeh. Ich sehe noch vor mir, wie Du auf einer Leiter stehend, mit einer Flüstertüte Kommandos gabst, 50zig Leute im Raum immer hin und her gescheucht hast.”

Barbara Riek hatte einen Faible für außergewöhnliche Männer und arbeitete als Studentin und als Nackttänzerin beim Schliztohr Renee Durant, im Salambo. Auch ihre Freundin Babsi tanzte dort. Babsi schrieb später ein Buch über ihre Zeit auf dem Kiez.
Kurz und gut, das Leben auf der Erde wurde Barbara aber schnell langweilig,
wie auch einigen anderen Hamburger Filmemachern, die auch schon ziemlich früh diese Welt verließen, Barbara Riek Jochen Wolf, Redakteur beim NDR,  Walter Seidler, der King der Organisaton, der später im Berliner Filmmuseum arbeitete.  Hellmuth wurde auch nur 59 Jahre und Freddi Strohecker verschwand irgendwie von der Bildfläche.
Einige der Hamburger Filmemacher arbeiteten zeitweilig als Professoren.
Klaus Wyborny studierte Theoretische Physik - weltweit -. Zu Klaus Wyborny fällt mir hier allerdings, so schnell nichts ein, fehlen mir die Worte
:       Klaus Wyborny      
                 

“Der warme Punkt”, ist ein Film den Hellmuth und Thomas Struck zusammen drehten,
Ein warmer Punkt wurde im Filmmaterial vorbelichtet und befand sich durch diese vorausgegangene Belichtung, bei der folgenden 2. Belichtung nun immer wieder woanders. In der zweiten Belichtung, wurde dieser warme Punkt von Hellmuth und Thomas, immerzu besser oder schlechter, bei der 2ten Belichtung,  irgendwo von den beiden im Film -vermeintlich- geortet.
In einem anderen Projekt setzte Thomas Struck seine Kindheitsträume,"Hans im Glück" nun endlich, mit großen Aufwand in Szene.Tomas Struck
Aber außer das filmische Geschehen auf Idee und auf Unmittelbarkeit zu richten, gab es bei den Hamburger Filmemachern auch noch anders geartetes,  sinnlich kunstvolle Getaltungsinteressen gab es auch.
Auch der  Film "8 einhalb von Fellini" faszinierte die jungen  Hamburger Experimentalfilmer und war ein angestrebter Maßstab für künstlerische Gestaltung.

Natürlich, auch das Interesse groß rauszukommen existierte letztlich. Zum Groß rauskommen sagte Werner Grassmann  bei einem Meeting  einmal: “Groß’ Karriere gemacht hat  keiner so richtig, nicht einmal ich.”
Na klar, hier in Hamburg wurde mit dem Medium Film, größtenteils von Akademikern, zu der Zeit  letztlich immer auch spielerisch mit sich selbst experimentiert.
Es sollten keine Geschichten erzählt werden, weiter geträumt werden, es ging darum, über das Medium Film das Bewusstsein zu revolutionieren, unsere Welt neu zu formulieren.
Werner Nekes Filme, der Ablauf des filmischen Geschehen bis in die einzelnen Bilder, in ihre Vergangenheit, zurückzuverfolgen, ist ein preisgekrönter Film von Ulrike Pfeiffer  über Werner Nekes
 - “Das Leben zwischen den Bildern
 
 
Hellmuth Costard arbeitete immerzu in unterschiedlichster Form an der Idee totaler Vernetzung.
So sollte ein von der Bundeswehr ausgemusterter 3,5 Tonnen Kastenwagen zu einem Filmtheater umgebaut werden und  Hellmuthdamit abgelegende  Landstriche mit Filmkultur versorgt werden.
Mit den unterschiedlichsten Methoden arbeitete Hellmuth an der Verbesserung filmischer Unmittelbarkeit in der Darstellung, suchte nach zentraleren Perspektiven technisch, wie auch in unseren Sehgewohnheiten. Wie ich Hellmuth verstehe, war er Filmemacher aus Leidenschaft, letztlich jedoch ging es ihm zentral immer um die Erweiterung des Bewusstseins.

Sein letzter Film, von Bernd Upnmoor vollendet, "Vladimir Günstig, eine trojanische Affäre”, stellt für mich am deutlichsten dar, woran Hellmuth arbeitete.
Hellmuth war seiner Zeit immer irgendwie voraus und hatte einen glasklaren Intellekt.  Was mir zu Hellmuth einfällt ist: Kunst existiert auch in unserer zeitlich begrenzten Welt, wer aber den Mut hat  sich der Kunst in seiner ursprünglichen Essenz  zu nähern, der wagt sich  letztlich auch in die Paradoxie des zeitlichen Daseins.
Eventuell besteht das Wagnis künstlerischer Gestaltung gerade darin, dass wir unsere eigene Existenz  -ursprünglich - als das Zentrale im künstlerischen Geschehen begreifen.  Künstlerisches Tun geht letztlich aus einem nondualen Bewusstsein  hervor, so dass sich die Lösung eines Zen Koans - neues Begreifen -
 nur dort ereignen kann, wo sich die zeitliche Zwiespältigkeit auflöst.

1967
Verstehen wir die technischen Gegebenheiten zu dieser Verdichtung der Vernetzung als eine neue Situation (Dimension) in unserem Dasein, so müssen  wir uns heute damit dringend auseinandersetzen.
Unser gesellschaftliches Bewusstsein drangsaliert sich aber immer noch aus einem materialistisch, kapitalistischen Wettbewerbs-Antrieb heraus. Aus der Beschäftigung mit Selbsterhaltungsängsten basteln wir in unserer Welt immerzu noch an einem Wirtschaftswachstum von Gestern,  entwickeln unsere Welt weiter, ohne dass wir uns den dahinterliegenden  Strukturen, - der Zeitlosigkeit des Bewusstseins -, gegenwärtig werden.
 
Bewusstseinserweiternde Ideen (geistige Vernetzung) befindet sich  noch im Halbschlaf.
Die bewusstseins-verbindende Vernetzung wird immerzu von Machthabern nicht verstanden oder irgendwie ausgebremst.

Voller Empörung schickte Hellmuth einen Film zum Filmfest nach Oberhausen.
Titel des Films: “Besonders wertvoll”
Ein Penis verlas die neuen Filmförderungsbestimmungen, die der Politiker Toussaint sich ausgedacht hatte. 
Zum Schluss  wurde die Kerze mit dem Arsch ausgeblasen.
Ein Skandal : Nach Verhinderungsversuchen  Verantwortlicher wurde der Film in Oberhausen, nach öffentlicher Aufregung, dann aber doch gezeigt.
BabsiTanz
Ich denke, hinter der Wunderwelt menschlichen Strebens verbergen sich allzeit noch nicht entdeckte Wahrheiten; um diese Wahrheiten entdecken zu können müssen wir die zeitlichen Ordnungsmuster  durchbrechen, damit  neue Bewusstseinsperspektiven sich ereignen können.  Das sehe ich als Aufgabe und eigentliche Arbeit des Künstlers.

Das hier Beschriebene ist eine Art mich zu erinnern. Die Beschreibung einer Vergangenheit geschieht indem sie in eine  bestehende Gegenwart hinein formuliert wird.  Die Beschreibung der Zeit von 1968  ist also die Art wie ich die damalige Zeit - jetzt - denke und begreife.

Mir erscheint Entdecken und Begreifen von primärerer Bedeutung als ein Gestalten. Neue Bilder-Welten entstehen indem sich uns neue Sichtweisen/ neue Perspektiven eröffnen, und  wir lernen das Wunder des Unbekannten zentral in unser Bewusstsein mit einzubeziehen.
 
So kleine Zellen für Kreativität, wie das Theater mit 52 Plätzen in der Brigittenstr. 5, haben für mich etwas faszinierendes.
Ich denke die Evolution des Daseins beginnt in solch kleinen Zellen. Dort kann die Welt uns leichter überraschen, wo wir uns aufmachen, um uns in unserer eigenen Kreativität zu erforschen.

Diese Zeilen fielen mir beim Film-In, in der Brigittenstr. 5, nicht gleich ein. Hiermit schicke ich diesen Beitrag hinterher, um mich von meinem Versäumnis - ein paar Worte zu sagen - von meiner Scham über das Versäumnis, zu entlasten.
 

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